Berlin Fashion Week: Die drei „GO“ und „NO GO“-Shows

Weil es ja nun schon Tradition ist und die gesamte Berliner Modebranche gespannt auf unsere Tipps wartet, gibt es auch dieses Jahr wieder die drei „GO“- und „NO GO“-Shows. Und hier sind sie.

GO

Julian Zigerli

Natürlich sollte absolut jeder sich die Show von Julian Zigerli anschauen. Und das nicht nur, weil der Schweizer ganze zwei Wochen lang mit einem Pop Up-Store in unserem veganen Fast Food-Paradies residierte und spätestens seitdem über alle Zweifel an seiner Coolness erhaben ist. Sondern auch, weil seine letzte Show in Berlin jetzt auch schon wieder ein Jahr her ist und damals ziemlich modern und lässig war: Im Geschichtspark Moabit direkt neben dem Hauptbahnhof nämlich, offen für jeden, der denn von der Schau wusste. Das ist echte Demokratisierung. Noch dazu heißt die Kollektion, die am Freitag gezeigt wird, schlicht und einfach „SORRY“. Wir hoffen sehr, Justin Biebers Welthit während der Show aus den Boxen im Eisstadion scheppern zu hören.

Hien Le

Der wohl kleinste große Berliner Modedesigner hat sich in den letzten Jahren mit seinen schlichten, sportlich-eleganten Entwürfen nicht nur in die besten Läden der Stadt (VooStore), sondern auch in die Köpfe etlicher Modejünger gearbeitet. Kürzlich hat er mit MINI zusammengearbeitet. Das passt nicht nur größentechnisch mehr als gut, nein: Die Kollektion gibt es sogar bei Luisaviaroma zu kaufen. Wir freuen uns sehr mit Hien. Einziges Manko hinsichtlich seiner Show: Der Zeitpunkt.  Morgen früh, also so ziemlich direkt nach unserer Party, präsentiert Hien seine Entwürfe. Wir werden stark verkatert oder viel eher noch betrunken daneben sitzen, wenn die Show im Kronprinzenpalais über die Bühne geht. Wir bitten schon jetzt um Entschuldigung.

Marina Hoermanseder

Dass Marina Hoermanseder es zum ersten Mal in diese Auswahl geschafft hat, ist keine große Überraschung: Ihre Show vor einem halben Jahr löste ein großes Medienecho aus und wurde von allen Magazinen und Blogs und natürlich auch uns zur besten Show der Modewoche gekürt. Ihre wahrscheinlich verdammt ungemütlichen, aber in ihrer elegant-brutalen Erscheinung so formschönen Kleider und Röcke sind auch einfach sehr sexy. Für all die schönen Models hoffen wir dieses Mal auf ein wenig kleinere Absätze unter den Louboutins. Dann müssen sie die Schuhe nämlich nicht mehr während der Show ausziehen. Und wir nicht mehr in Mitleid versinken, sondern uns an Marinas Entwürfen erfreuen.

NO GO

Marc Cain

Schon wieder schafft es Marc Cain, hier aufgeführt zu werden. Und das hochverdient. Auf der Einladung für die Show prangt der Claim „It’s time for happy hour“ in einer Kombination von Schriftarten, bei der jeder Grafikdesigner schlimmste Kopfschmerzen bekommt. Ich war sogar einmal im „HQ“ des Labels. Es liegt tatsächlich am Rand eines Kaffs im tiefsten Süden Deutschlands. Also da, wo wirklich niemand hin will. Mitt-Vierzigerinnen kümmern sich dort um die stinklangweiligen und dermaßen uninspirierten Klamotten, die zu allem Überfluss diese Saison auch noch in einer Off-Location auf dem Messegelände gezeigt werden. Wir rechnen mit sehr gelichteten Reihen. Für eine Marc Cain-Show wird sich niemand bis an den Rand Berlins fahren lassen. Und das ist auch gut so.

MINX by Eva Lutz

Alleine der Name ist schrecklich und wirft bei mir gleich mehrere Fragen auf: Soll MINX besonders jung und sportlich klingen? Wer ist Eva Lutz überhaupt? Und was soll das Ganze? MINX ist, ohne dass ich mich intensiv mit der Marke auseinandergesetzt hätte, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eines der Labels, das absolut niemand braucht. Auf der Website des Labels prangt allen Ernstes ein Foto von einer Fusion aus Turnbeutel und Tragetasche. Turnbeutel sind leider schon lange nicht mehr angesagt, falls sie es denn je wirklich waren. Eva Lutz hat davon natürlich noch nichts mitbekommen. Ebenso wenig davon, dass hier in Berlin wirklich kein Schwein auf ihre Show wartet.

Guido Maria Kretschmer

Auch Guido Maria Kretschmer ist kein Neuzugang in dieser Auflistung. Das liegt daran, dass er sich in modischer Hinsicht wieder und wieder in Sachen Belanglosigkeit selbst übertrifft. Seine Show auf während der Fashion Week steht dafür symptomatisch für das, was wir und der Rest des denkenden Teils der Branche immer an der Modewoche in Berlin kritisieren: Eine Irrelevanz in modischer Hinsicht, die größer gar nicht sein könnte, kombiniert mit genau der Art von Unterhaltung, nach der fünfzigjährige Frauen in den Dörfern der Republik lechzen. Für die fühlt sich eine Kretschmer-Show, von der sie ein paar Bilder in einem Pro7-Promimagazin sehen, nämlich höchst glamourös an. Für uns weniger. Es tut einfach nur noch weh.

Category: Special

Tags: Fashion Week Berlin

Von: David Jenal

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