Berlin Fashion Week: 3 No-Go-Shows

Eine schöne, eine ehrliche Tradition: auch in dieser Saison präsentieren wir wieder drei Shows, die man sich auf der Berliner Fashion Week unbedingt anschauen sollte – und drei Shows, zu denen sich nun wirklich niemand verirren sollte.

1. Manou Lenz 

Dass Designerin Manou Lenz sich auf ihrem offiziellen Pressefoto vor einem RTL-Mikrofon präsentiert, sagt schon einiges über ihre gewünschte Zielgruppe und den eigenen Anspruch an ihre Arbeit aus.

Lenz macht laut Pressemitteilung Mode für Frauen, “die in keine Schublade passen”, was als Bild ziemlich daneben ist, wenn man bedenkt, dass Manou Lenz Mode für Übergewichtige macht. Die Kollektion dann auch noch unter das Motto “love & happiness” zu stellen, ist ein weiterer Schlag in die Fresse aller “starken Frauen”. Das Bild der gut gelaunten Dicken wird so reproduziert und manifestiert.

Als Models für ihre Mode hat Lenz dann zu allem Überdruss noch “bekannte Gesichter der deutschen TV- und Medienlandschaft” gewinnen können. Oha! Unter anderem werden RTL-Schreckschraube Sonja Zietlow und Katy Karrenbauer, bekannt als RTL-Knastlesbe “Walther”, über den Laufsteg laufen.

Eine Modenschau soll inspirieren, sie soll Lust machen auf die gezeigte Mode, zum Kauf anregen, doch wie eine Knastlesbe sehen nur die Mütter von Bushidos Feinden in seinen Hasssongs aus, als “mutiges Schönheitsideal” taugt das nicht. Da sind wir in Sachen Post-Gender schon deutlich weiter – und das subtiler, ästhetischer und: schöner.

Manou Lenz haut ein dämliches Klischee nach dem anderen raus. Das mag zu ihrem Home-Shopping-Auftritt beim Sender Sonnenklar TV passen und ihr dort saftige Verkäufe bescheren – auf einer Fashion Week hat das nichts zu suchen. Um es mit den Worten unseres Steuerberaters zu sagen: “piiiiiiiss diiiiich!!!”

2. Freaky Nation: “Sophia Thomalla & Friends – The Saga Continues”

Hier möchten wir mit den Worten des genialen Anchor-Mans John Oliver starten: “This is the worst! The Worst!”

Sophia Thomalla ist auf eine sehr einfache, ultra-prollige Art natürlich sausexy, keine Frage. Dass sie mit Coolcat Till Lindemann von Rammstein zusammen ist, verstehen wir zwar nicht. Zu Lindemann würde ein amerikanischer Pornostar viel besser passen – oder ein minderjähriger Knabe. Oder ein Pitbull. Aber nun gut. Nicht unsere Entscheidung (Till, wenn du unsere Hilfe brauchst, lass es uns wissen – wir kennen zwei, drei Porno-Sternchen aus L.A.).

Dass Sophia Thomalla, die sich jüngst mit Äußerungen zu ihrem reaktionären Frauenbild wenigstens noch ein paar Sympathiepunkte im Dandy Diary-Hauptquartier erspielt hat, sich nun aber auch auf der Fashion Week engagiert, zeigt den Verfall dieser. Viel schlimmer kann es nicht werden.

Für das Label FREAKY NATION, das “Charakterjacken mit extravaganten Designs” herstellt, kuratiert und inszeniert sie eine total rockige, total wilde Show in einem Cage-Fight-Käfig. Mit dabei ist unter anderem auch der Free TV-Modeclown Manuel Cortez, der zwar saunett ist, allerdings den Dandy Diary-internen Ehrentitel des schlecht gekleidetsten Deutschen trägt.

Wie schlimm die Show werden wird, lässt die Einladung dazu erahnen: Sophia Thomalla mit Lederhandschuhen, roter Lederjacke und verruchtem Blick in einem MMA-Käfig.

3. Patrick Mohr: “Patrick loves Sponge Bob by PM”

Gute Laune! Schuhdesigner Patrick Mohr macht gemeinsame Sache mit Sponge Bob.

Was auf den ersten Blick nicht zusammen passt, tut es auch auf den zweiten nicht. Patrick Mohr, der sich auf allen sich bietenden roten Teppichen als griesgrämiger Künstler inszenierende wandelnde Schnurrbart, hat so viel mit Sponge Bobs Themen “Freiheit, Spaß und Fröhlichkeit”, wie Manou Lenz mit Magermodels. Und auch Mohrs “geometrische Formen”, auf die er sich immer wieder als Inspiration bezieht, haben mit der runden Unterwasserwelt von “Bikini Bottom” rein gar nichts gemein.

Am Leben unter Wasser hat sich der britische Designer Bobby Abley mit seiner “Arielle die Meerjungfrau”-Kollektion auf geniale Weise abgearbeitet. Im besten Fall kopiert Mohr die Designs, im schlimmsten wagt er einen eigenen Wurf.

Patrick Mohr, dessen Abschlusskollektion sehr stark war, der bei Henrik Vibskov in Kopenhagen während eines Praktikums Inspiration gesammelt hat und als absolutes Talent der deutschen Modeszene galt, hat leider schon länger nichts wirklich interessantes mehr herausgebracht. Von Saison zu Saison wurde es mauer. Zuletzt kamen okaye Design-Kooperationen mit den Schuhherstellern Reebok und K1X auf den Markt. In Sachen Kleidung kam nichts vergleichbares nach.

Wer nach dieser Zusammenarbeit jedoch noch mit Patrick Mohr kooperieren möchte, ist fraglich. Mit Reebok und K1X laufen zwar noch Koops, ob die dort Verantwortlichen von einer leicht durchschaubaren Werbe-Kollektion für eine Fernsehserie allerdings so begeistert sind, zweifeln wir stark an.

Wir sind es jedenfalls nicht. Möge Patze uns eines besseren belehren. Die Wetten laufen hundert zu eins gegen ihn.

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Category: Special

Von: Carl Jakob Haupt

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