Ausblick: London Fashion Week Men’s

Die »London Collections: Men« hat einen neuen Namen. Einer der wichtigsten Termine im Schauenkalender der Männermode wird die Modewoche trotzdem bleiben.

Das liegt auch und vor allem an der Vielzahl an Labels und Designern aus der britischen Hauptstadt, die uns in den letzten Jahren immer wieder begeistert haben und es wohl auch weiterhin tun werden.

Dazu zählt zweifelsohne J.W. Anderson, der neben seinem eigenen Label auch für das spanische Luxushaus LOEWE entwirft. Seine androgynen Kollektionen sind nicht geschlechterunspezifisch, die Aufteilung in Männer und Frauen ist bei Anderson aber mehr Orientierungshilfe denn strikte Vorgabe. Sein modernes, aber niemals belehrendes Verständnis von Frau und Mann ist Vorbild für einen großen Teil der Branche, ebenso sein rundum zeitgemäßes Auftreten, zu dem ein Livestream auf Grindr ebenso gehört wie eine Kooperation mit Asap Rocky.

Grace Bonner thematisiert in ihrer Arbeit weniger die sich aufweichenden Geschlechtergrenzen, sondern vielmehr das kulturelle Erbe ihres Heimatkontinents Afrika. Was sie aber mit J.W. Anderson verbindet ist eine offensichtliche Beliebtheit unter Jurys großer und wichtiger Preise: während Anderson im letzten Jahr den British Fashion Award gewann, ging der ebenso bekannte LVMH Prize an Bonner – beide Entscheidungen können wir mehr als nachvollziehen.

Cottweiler, Maharishi und Craig Green, drei weitere Londoner Marken, bewegen sich allesamt irgendwo im und um das obere Streetwear-Segment, das in den letzten Jahren so unüberschaubar groß geworden ist. Dass all diese Labels zu den besten ihres Fachs gehören, lässt sich aber auch im düster-stickigen Streetwear-Dschungel erkennen.

Alle oben genannten Designer und Labels zeigen ihre neuen Kollektionen sinnigerweise während der Modewoche in London im Januar und machen sie zu einem, wenn nicht dem wichtigsten Termin im Kalender für zukunftsweisende und zeitgenössische Männermode. In Paris zeigen die Großen, in Mailand die Traditionellen und in London die Innovativen: diese Einteilung ist bewusst grob und sicher keine hieb-und stichfeste Analyse mitteleuropäischer Modewochen, und doch zeichnet sich dieser Trend in den letzten Jahren ab.

Neben den herausragenden Designern hat London etwas, das vor allem in Berlin sehr fehlt und hier immer wieder zu viel Kritik führt: eine Location, die auch abseits der zweimal im Jahr stattfindenden Modewoche einen Modebezug hat und im konkreten Fall von London sogar das Epizentrum der Branche ist.

An der Adresse mit dem klangvollen Namen “180 the Strand” residiert nämlich nicht nur die Londoner Filiale des Ladenkonzepts “The Store”, nein: auch der British Fashion Council und das Dazed Magazine beziehen schon bald Büroflächen im bunkerartigen Betonbau, in dem während der Fashion Week zahlreiche Events, unter Anderem die Eröffnung, stattfinden werden.

Als wäre all das nicht schon schön genug, zeigt auch die große Vivienne Westwood während der London Fashion Week Men’s, und zwar die Frauen-und Männerkollektion gemeinsam. Auch das: höchst zeitgemäß. Wie so alles in London eben.

Category: News

Tags: London, London Fashion Week Men’s

Von: David Jenal

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