Auf der Suche nach dem Hotel “Tigre Noirs”

Ich suche nun schon seit mindestens 30 Minuten, was in Internetsuchzeit einer Ewigkeit gleicht, in unserer schnellen, immer sofort jede Information parat habenden Zeit sowieso, und finde einfach: nichts.

Dabei möchte ich doch aktuell und unbedingt nichts anderes wissen, als, was dieses Hotel “Tigre Noirs” ist und wo es ist und auch bitteschön, wie ich dort alsbald hinkomme.

Vom diesem Hotel nämlich ist im Text zur neuen “Amsterdams Blauw”-Kollektion von SCOTCH & SODA die Rede, es diente mit seinem “mühelosen Kolonial-Pariser” Look als Inspiration. Und wenn ich das richtig verstanden habe, muss es irgendwo in Argentinien liegen.

Einige wenige Halbsätze im Kollektionstext und diese mysteriös ergebnislos gebliebene Internetsuche haben mich dermaßen infiziert, dass ich am liebsten alles liegen lassen möchte, ja, auch diesen Text, und nach Argentinien fliegen und richtig suchen, im wahren Leben, in der Welt da draußen – dort also, wo dieses Hotel eben auch sein wird. Dabei hätte ich natürlich die Teile der Kollektion an, vielleicht würde ja jemand die Inspiration erkennen und mir weiterhelfen können, ein älterer Herr etwa, der früher mal Hotelpage im “Tigre Noirs” gewesen war und jetzt Kaffee trinkt, an einem Platz in einer mittelgroßen Stadt, und einen Cowboy-Hut, der hier natürlich ein Gaucho-Hut ist, trägt.

Ich werde gar nicht anders können, als in den kommenden Tagen nach Flügen zu schauen, Richtung Argentinien, um dann vor Ort zu suchen, weil das Internet hier ja keine große Hilfe ist oder ich einfach zu untauglich, richtig danach zu suchen und zu ungeduldig. Und weil das Hotel “Tigre Noirs”, das ist mir völlig klar und es kann gar nicht anders möglich sein, selbstverständlich gar keine Homepage hat und auch keine Yelp-Bewertung oder einen Trip Advisor-Sticker an der quietschenden runden Drehtür Tür, die in die große Empfangshalle führt.

Das Hotel “Tigre Noirs”, es lässt mich nicht los. Und die “Amsterdams Blauw”-Kollektion werde ich nicht ausziehen, bis ich es gefunden habe, mit seinem mühelosen Charme und dem Pariser-Koloniallook, auf den ich so wahnsinnig stehe. Es gibt ja ohnehin nichts schöneres, als alte Hotels mit staubigen Vorhängen und abgetretenem Parkett und nur noch an seidenen Fäden hängenden, schweren Kronleuchtern und dem Personal von vor hundert Jahren.

Es gibt wahrlich schlechtere Inspirationen für eine Modekollektion und sicher auch schlechtere für eine Reise. Adiós por ahora!

Fotos: Iga Drobisz

Category: Looks

Von: Carl Jakob Haupt

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