Art Basel Miami Beach: eine Besucher-Typologie

Klassischen Mode-Events sind wir, das erwähnen wir an dieser Stelle nicht das erste Mal, mittlerweile mehr als überdrüssig. Es sind die immer gleichen Leute, die in den immer gleichen Locations beim Trinken der immer gleichen Drinks von den immer gleichen Eventfotografen fotografiert und von den immer gleichen DJ’s mit ihren schlechten Sets genervt werden. Der Anlass ist jedes Mal vollkommen irrelevant, mehr noch: den meisten Besuchern schlicht unbekannt.

Aus diesem Grund bin ich dieses Jahr zur Art Basel nach Miami gefahren, einer der weltweit wichtigsten Kunstmessen, voller Hoffnung auf eine andere Branche, hochintelligente Besucher, stilvolle Parties, berauschende Drinks, schöne Frauen und vor allem ein echtes Interesse an der eigentlichen Sache, der Kunst nämlich.

Wen ich wirklich vorfand, das steht jetzt hier, kurz und schmerzvoll.

Der Kunstkenner

Ja, es gibt sie wirklich: Menschen, die Ahnung von Kunst und dem Kunstmarkt haben. Sie tragen vornehmlich Anzug (die Frauen Hosenanzug), sind zwischen 40 und 50 und verbringen den Großteil des Tages in der exklusiven Lounge einer Schweizer Bank. Sie sind also recht unerreichbar und wollen das auch sein, wissen sie doch um den seelenlosen Moloch, der um sie herum tobt. Die Lounge ist ein Ort der Ruhe, der leisen und klugen Gespräche, der heimlichen Deals und Verhandlungen. All das macht natürlich müde. Und so lassen sich die Lenker der Branche Abends wenn überhaupt nur kurz blicken, auf der MoMA PS1 Party nämlich, auf ein Gläschen VOSS Wasser. Oder vielleicht auch Champagner. Zum Wohl!

Der Tourist

Auch wenn die Art Basel eine Messe ist, darf sie jeder, der eben möchte, besuchen. Und natürlich kommen zu einer offenen Veranstaltung auch Szenefremde, in diesem Fall Touristen. Die schlürfen dann mit verwirrt-fasziniertem Blick durch die Gänge zwischen den Ständen der großen und kleinen Galerien und wissen einfach überhaupt nicht, was sie machen sollen. Sie hatten sich das alles irgendwie anders vorgestellt, soviel ist sicher. Kunst, das kennen sie höchstens aus dem Museum. Aber auf einer Messe? Kann man das denn alles kaufen? Und wenn ja: was kostet so ein Bild? Naja, egal, schnell raus hier, zurück zum Ocean Drive.

Der neureiche Amerikaner

Die Art Basel ist ein Schweizer Exportprodukt, das sagt ja schon der Name. Das schützt aber nicht davor, dass ihr zu Ehren eine ganze Horde asozialer, schlecht gekleideter und arroganter neureicher Amerikaner in Miami einfällt (oder sowieso dort wohnt), um dort jede Party zu besuchen, allen auf die Nerven zu gehen und die Frauen unschön anzufassen. Dass die Art Basel eine Kunstmesse ist, wissen sie natürlich nicht. Auch nicht, dass Basel in der Schweiz liegt. Auch nicht, was die Schweiz ist. Die geistige Horizont endet am Rand des im Club reservierten Tischs. Welcome to America.

Die New Yorker Modefrau

Quasi direkt an den neureichen Amerikaner schließt sich die New Yorker Modefrau an. Die arbeitet sinnigerweise in der New Yorker Modebranche und erhofft sich durch einen Besuch der Art Basel, ein wenig vom glamourösen Intellekt der Kunstwelt abzubekommen. Das klappt nur bedingt, und zwar aus Gründen: das Outfit ist trashig, der Geist ebenso und ein Verständnis für Kunst nur rudimentär ausgebildet. Außerdem verfolgt sie insgeheim ein anderes Ziel, was sie natürlich zur Wahrung ihres Rufs verschweigt: sie sucht dringend einen neureichen Amerikaner, der ihr neue Kleider und Kunst (egal was, Hauptsache Kunst!) kauft.

Der Instagrammer

Er fotografiert Kunstwerke, die bunten Wände im mehr oder weniger hippen Szeneviertel Wynwood und vor allem sich selbst, am Stand, auf der Party, vor Kunstwerken, neben Kunstwerken, ÜBERALL. In seinem Kalender ist die Art Basel in Miami kein Highlight, sondern eine von vielen Veranstaltungen, die es über das Jahr abzuarbeiten gilt: Paris Fashion Week, MTV Awards, Berlin Art Week, ein Trip nach Los Angeles, einen nach Kapstadt. Wichtig sind Palmen, Strand, Kunst und Mode. Was genau: komplett egal. Gut aussehen muss es.

Category: News

Von: David Jenal

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