ARMEDANGELS: wolle Wolle kaufe?

Schlechte Arbeitsbedingungen, enormer Ressourcenverbrauch und immer wieder steht der Vorwurf der Kinderarbeit im Raum. Die Textilwirtschaft ist wohl genau das Gegenteil von dem, was sie vorzugeben scheint. Während Marken mithilfe von Kampagnen und Influencern nach außen hin hehre Ziele präsentiert, sehen sich diejenigen die ganz am Anfang der Produktionskette stehen, mit unwürdigen Arbeitsbedingungen an ihrem Arbeitsplatz konfrontiert. Dort bekommen sie Löhne, mit denen sie sich kaum den Coffee to Go leisten könnten, den wir uns auf dem Weg zur Arbeit holen.

Diese Unverhältnismäßigkeit und der doch bestehende Wunsch ohne schlechtes Gewissen weiterhin zu konsumieren führten dazu, dass zwei Typen in Köln sich zusammensetzten und gemeinsam ein Konzept entwickelten, das auch zehn Jahre nach seiner Realisierung noch Bestand hat:

Sie fingen damit an Shirts zu bedrucken, diese zu verscherbeln und von dem verdienten Geld Charity-Organisationen zu unterstützen. Aus dieser Idee heraus entstand dann ARMEDANGELS – eine Marke, die vier Mal im Jahr eine fair produzierte Kollektion auf den Markt bringt und mittlerweile zu einer der wichtigsten Unternehmen in Europa gehört, wenn es um „grüne Mode“ geht.

Der Fokus liegt dabei vor allem auf wiederverwendbaren Materialien: organische Baumwolle, recyclebares Polyester und organische Wolle. Denn trotz des großen Hypes und dem steigenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Mode, ist nur 1% der Baumwollproduktion bio. Und das obwohl die konventionelle Produktion von Baumwolle nicht nur zahlreiche toxische Pestizide beinhaltet, chemische Düngungsmittel verlangt und einen enormen Wasserverbrauch mit sich bringt.

1 kg Baumwolle verbrauchen 2.000 Liter Wasser – wofür wir 15 Mal ein großes Schaumbad nehmen müssten. Eines unserer auf der Kleiderstange hängenden Baumwollshirts, bedeutet einen Verbrauch von rund 400 Liter.

Doch kann man nun wirklich den Bauer in Indien und den Designer in Deutschland überhaupt gerecht bezahlen?

„Wir sind nicht perfekt. Wir versuchen nur immer das richtige zu machen. Tag für Tag, Schritt für Schritt.“

Während nachhaltige Mode – leider oftmals noch zurecht – mit Attributen wie langweilig, krampfig und schlicht unstylish in Verbindung gebracht wird, „öko“ immer noch und genug und sicher auch bei uns manches Mal als Schimpfwort gilt und oft nur die eigene Nische bedient, hat ARMEDANGELS den Sprung in den Mainstream geschafft. Mit Showrooms in Amsterdam, Berlin, Hamburg, Zürich als auch an vielen weiteren Standorten wird so verstärkt die Aufmerksamkeit auf das Thema Fair Fashion gelenkt. Ebenso wie durch den Verkauf bei Online-Riesen wie Zalando oder About You.

„Der totale Verzicht ist in unserer Gesellschaft nicht realistisch. Viel wichtiger ist es uns, zu vermitteln, bewusst zu konsumieren.“, erklärt Martin Höfeler, der Gründer der Brand.

Um dem immer währenden Anspruch zu genügen, den das Unternehmen selbst an sich stellt, wird auch die Produktion vor Ort überprüft. Um nachhaltige Mode und den Tierschutz gleichermaßen zu berücksichtigen, reiste Anfang Dezember eine Managerin des Mode-Teams, pünktlich zur Schursaison nach Argentinien – und schaute sich dort die Schafe auf einer Farm in Patagonien an.

Die dort geschorene Wolle wird anschließend in einer Stadt weiter nördlich gesäubert und verarbeitet und landet schließlich in Shirts und weiteren Teilen der Kölner Modemarke.

Gerade aufgrund solcher Bemühungen ist ARMEDANGELS seit 2011 GOTS (Global Organic Textile Standard) zertifiziert, entspricht also dem Standard für Textilien aus biologischer Produktion. Außerdem ist die Brand Mitglied der Fair Wear Foundation – welche Arbeitsplätze verifiziert und somit auch die Bedingungen für Arbeiter verbessert.

Wer also jetzt, wo der Herbst in all seiner windigen Kälte zuschlägt, einen dicken Pullover sucht, weiß, wo er ein gutes Produkt findet, das fair produziert wurde. 

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Wolle ist allerdings kein ganz unumstrittenes Thema. Oft genug gibt es extrem fiese Geschichten von den Schaffarmen zu hören und zu sehen. Die Tiere werden dort geschlagen und getreten. Sie werden auf zu engem Raum gehalten, haben kaum Auslauf. Die Schafe leiden unter Hunger und Durst. Achtloses Scheren hinterlässt oft Schnittwunden, die sich entzünden – und dann ist da noch Mulesing, eine grausame Praktik in Australien, bei der große Hautlappen am Hinterteil der Schafe weggeschnitten werden. Dies soll einem Fliegenbefall vorbeugen, der nur deswegen vorkommt, weil die überzüchteten Tiere zu viel Wolle tragen.

ARMEDANGELS hat sich bewusst für die Wollproduktion entschieden, achtet dabei aber auf die Einhaltung gewisser Standards und auf Zertifikate, die belegen, dass die Schafe tierfreundlich behandelt werden und sie das ganze Jahr frei in den Weiten Patagoniens leben. Die Tiere kommen nur einmal pro Jahr zur Schur und bekommen in der freien Natur ausgiebig Futter und Wasser. Die zuliefernden Farmen sind allesamt biozertifiziert und Pestizide sind verboten. Bei möglichen kleineren Verletzungen erfolgt fachgerechte Behandlung und es kommt kein Mulesing zum Einsatz.

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Category: News

Von: Carl Jakob Haupt

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