Abzal Issa Bekov: das nächste große Ding?

Abzal Issa Bekov kommt aus einem Ex-Soviet-Land und hat einen Abschluss vom Central Saint Martins College in London. Großartige Vorraussetzungen also, um im Jahr 2016 erfolgreicher Modedesigner zu werden.

Dass Abzal Issa Bekov eine große Zeit bevorstehen könnte, liegt aber auch und vor allem daran, dass er sich  – im Gegensatz zu seinem bekannten Kollegen aus Moskau – in seiner Arbeit nicht von aktuellen Trends oder Hypes inspirieren oder gar lenken lässt.

Seine Abschlusskollektion an einer der renommiertesten Modeschulen der Welt, dem Central Saint Martins, ist eine so bisher ungesehene Zusammenkunft von klassischer Maskulinität und Homosexualität: zu zweireihigen Sakkos und weiten Anzughosen trugen die Models auf dem Laufsteg Latex-Unterhemden.

Die große Präsenz klassischer Schnitte in der Kollektion dürfte wohl zwei Gründe haben: zum Einen war die Mutter von Abzal Issa Bekov Schneiderin und brachte ihren Sohn schon früh mit dem Handwerk in Kontakt. Zum anderen ist es offensichtlich eine ganz bewusste Entscheidung gewesen, einen für das Jahr 2016 untypischen Weg zu gehen: „It all started with an idea that I wanted to go against what was happening in menswear right now, like gender fluidity, womenswear as menswear, the post-vetements madness, oversized [silhouettes] and all those Eastern Bloc influences. So this collection is really an ode to masculinity and tradition,“, sagt Bekov und spricht uns, das kann man wohl so sagen, von der Seele.

Es braucht nämlich keinen weiteren Nachwuchs-Designer, der sich im Bedrucken von übergroßen Hoodies und Trainingsanzügen übt. Auch die Soviet-Ästhetik scheint ihre sowieso schon kurze Halbwertszeit mittlerweile überschritten zu haben. Da kommt ein Designer wie Bekov gerade recht. Für seine Show braucht er weder minderjährige Models, noch eine absurde Location oder etliche Kooperationen mit Sportartikelherstellern. Nur dank perfekt verarbeiteter und großartig geschnittener, klassischer Silhouetten gehört seine Kollektion zu den stärksten der Abschlussarbeiten, die am Central Saint Martins jedes Jahr von brutal hoher Qualität sind. Modekritiker und Konservative, die sich seit dem Siegeszug der Streetwear eine Rückbesinnung auf den Kern der Mode, die Schneiderskunst nämlich, erhoffen, kommen hier endlich auf ihre Kosten.

Ein perfekt geschnittener Anzug erfordert, und das sollte niemanden überraschen, wesentlich mehr Vorarbeit als ein bedruckter Hoodie. Bekov hat im Zuge seiner Recherche das Archiv des legendären Britischen Schneiders Tommy Nutter besucht, der in den 60ern in der ebenso legendären Savile Row arbeitete und damals dem „Savile Row-Suit“ ein Revival verschaffte. Außerdem beschäftigte sich der Kasache intensiv mit der Schwulenkultur der 70er und 80er, die letztlich Inspiration für die Latex-Teile in der Kollektion gewesen sein dürfte.

Von allen Seiten (Dazed, Vogue, Bullett) wird Bekov nun gelobt, und das zurecht. Seine Debut-Kollektion ist mehr als nur erfrischend, sie zeigt neue Wege auf und distanziert sich klar von einer um Vehements und Gosha Rubchinskiy immer größer werdenden Blase, die rein aufgrund der Einfachheit, ja, der Stupidität der Entwürfe der beiden Labels nur allzu bald platzen düfte.

Mittlerweile, so steht es zumindest in seiner Instagram-Bio, arbeitet Bekov auch für Celine. Das ist nicht nur eine willkommene Geldquelle im ekelhaft teuren London, sondern auch eine weitere Bestätigung seiner Arbeit und Hoffnung für alle konservativen Bewahrer, das es mit der klassischen Männermode doch noch nicht vorbei ist. Wir hoffen es ja auch. Inständig.

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Von: David Jenal

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