Archiv für December, 2009

Look du Jour – 10

In Afghanistan tragen reiche Männer, die drei bis vier Frauen ihr eigen nennen, deratige Mäntel. Ich habe weder Geld noch Frauen, aber diesen einzigartigen Mantel. Auch cool, oder? Gekauft habe ich das gute Stück zu einem Schnäppchenpreis auf dem Portobello Market in London.

Fotos: Kaja Smith

Dandy Diary vs. Jan Joswig

“Die Ära der Streetstyle-Blogs ist vorbei”

Illustration: Karin Bohrmann

Er ist Mitbegründer des DE:BUG Magazins, Berliner Stilikone und scheint den Zeitgeist mit Löffeln gefressen zu haben: Jan Joswig. In einer Kreuzberger Kneipe traf ich ihn zu einem Gespräch über virtuelle Laufstege, die Macht von Modeblogs und die Zukunft von Printmedien.

Dandy Diary: Du bist Mitbegründer des DE:BUG Magazins. Laut Selbstbeschreibung beschäftigt sich das monatlich erscheinende Magazin mit „Elektronischen Lebensaspekten“. Die Digitalisierung der Medien ist kaum aufzuhalten. Sind Magazine wie das DE:BUG Auslaufmodelle?

Jan Joswig: Allgemein muss innerhalb von Printmedien zwischen Magazin und Zeitung unterschieden werden. Zeitungen, die ihren Fokus auf tagesaktuelle Nachrichten legen, werden in naher Zukunft keine Rolle mehr spielen, da das Internet ein deutlich schnelleres, daher aktuelleres Medium ist. Magazine sind jedoch ein komplett anderes Thema. Gute Magazine erschaffen eine Ästhetik, einen Stil, eine gewisse Atmosphäre. Im Netz gibt es nichts Vergleichbares. Der Einzug der Zentralheizung hat den Wunsch nach einem Kamin im Wohnzimmer auch nicht beendet – ein passender Vergleich wie ich finde. Magazine werden überleben.

Dandy Diary: Ein schöner Vergleich, der jedoch nicht die Meinung vieler Medien-Experten widerspiegelt. Sie räumen Magazinen geringe Überlebenschancen im Zeitalter der Digitalisierung ein. Glaubst du wirklich, dass wir eine vergleichbare Magazinlandschaft in zwanzig Jahren haben werden? (more…)

C´est Cool

Überdimensionale Beanies, die locker auf den Kopf gesetzt werden, sind en vogue. zuletzt sah man die übergrossen Mützen auf den köpfen von gefährlichen Gangsta-Rappern in den frühen 90er jahren. Heute, fast zwei Jahrzehnte später, beginnen Hipster damit die Basketball Mützen für sich zu entdecken. das richtige aufsetzen der XXL-Beanie, die im Bestfall von der Marke Starter stammt, ist eine Kunst für sich. Brian Harvey, seines Zeichens charismatischer Sänger der Band East17, beherrschte das richtige aufsetzen seiner Beanie. wir hier seht.

Hommage

Fotos: Kaja Smith



Look du Jour – 8

Bomberjacke trifft auf Einstecktuch. Kontroverse Kombi.
Das Accessoire, das zur Grundausstattung eines jeden Dandys gehört, nimmt der Bomberjacke ihre Radikalität. Kontext und Kombination setzen die favorisierte Jacke der Skinheads in ein anderes Licht. Ein harmloses Licht.

Matejcek vs. Schatzsucher

Es ist ja so: wenn man auf eine Modeschule geht, dann sollte man eigentlich auch über Mode schreiben – und nicht über Scientologen oder Schönheitschirurgen. Der dänische Philosoph Soren Kierkegaard hat aber gesagt, dass alles Mode ist: Gottesfurcht und die Liebe und die Krinoline und ein Ring in der Nase sowieso. Demnach sind auch Vorbilder eine Frage der Mode. Die zu Maßstäben gewordenen Menschen wechseln aber nicht so oft wie die Kleidung auf dem Laufsteg. Zumindest ist das in den letzten Jahren der Fall. Da scheint vor allem eine Silhouette besonders en vouge zu sein, die des Managers. Und genau aus diesem Grund will Peter Kempe nichts mehr mit Mode zu tun haben.

Schade eigentlich, denn früher bedeutete ihm Mode alles. Mit zehn war er das erste Mal in Paris. Mit vierzehn schrieb er einen langen Brief an Karl Lagerfeld. In dem Schreiben bat der kleine Kempe den Modezaren, ihn doch bitte auf eine Schau einzuladen. Das tat Lagerfeld auch, seitdem sind die beiden Norddeutschen gute Freunde und Peter, heute 42, mindestens viermal jährlich in der Stadt an der Seine. Längst aber nicht mehr wegen dem Modezirkus. Den Job als Einkäufer eines großen Münchener Kaufhauses hat Kempe schon vor 15 Jahren an den Nagel gehängt. Wann? „Als es nur noch um das Konsumieren ging. Nur noch darum irgendwelchen Scheiß auf den Markt zu werfen und sich darüber totzulachen, dass die Leute das für teures Geld kaufen.“ Kempe nennt das den Marc-Jacobs-Effekt. „…sich Drogen ziehen, hässliche Sachen aus dem Secondhandshop holen und ein 5000-Euro-Preisschild dranhängen. Alles nur noch Geschäftemacherei!“ Das findet Peter, der so gerne Haute-Couture-Kleider sammelt, wie Bulimie-kranke Mädchen Pizza essen, zum kotzen und deswegen musste er aus der Branche weg. Heute hat der Hamburger einen kleinen Laden mit exquisiten Produkten, eine Glatze, eine Brille, einen Bauchansatz, ist schwul und nach eigener Aussage, wahnsinnig glücklich. Das machte mich neugierig.
Lieber Herr Kempe, als Siebenjähriger wollten Sie nicht zur Schule, nicht aus ihrem Kinderzimmer raus. Sie hatten Angst, dass damit ihre sorglose Zeit enden könnte. Heute haben Sie sich mit ihrem Laden ein Kinderzimmer für Erwachsene geschaffen. Sich den eigenen Mikrokosmos aufzubauen – ist das der Weg zum Glück?

Kempe: So ist das, eins zu eins. Ich muss mich nicht verstellen, ich lebe jeden Tag meinen Traum. Ich glaube, wenn man etwas ganz, ganz doll will, dann kann man es auch. Die Liebe ist eine sehr wichtige Zutat. Ein Arbeitsprozess darf nie mühsam sein. Mir geht es darum Vergnügen zu haben – Arbeit macht mir Spaß. Man muss immer ein Kind bleiben, Sachen spielerisch erledigen. Das ist in Deutschland nicht immer einfach. Wenn man hier etwas spielerisch erledigt, dann meinen die Anderen, es wäre nicht richtige Arbeit. Ich bin aber ein sehr harter Arbeiter, erledige meine Sachen allerdings auf eine leichte Weise.

Sie mussten ihr Glück aber auch erst suchen… (more…)